Elternabende & andere Katastrophen – was Euch vorher keiner sagt

Lotta & Luise trinken irgendwas Hochprozentiges und reden nicht über – Elternabende

Das ist ein sehr sensibles und schmerzhaftes Thema, deshalb hier eine Triggerwarnung:

Wir reden hier über echte Erlebnisse aus realen Elternabendsituationen. Das ist teilweise verstörend und kann bei Betroffenen schwere traumabedingte Flashbacks hervorrufen. Bitte lest nur weiter, wenn Ihr euch emotional stabil genug fühlt!

Elternabende. Wo fange ich an. Das ist ja so ein Aspekt des Elternseins, auf das einen niemand gescheit vorbereitet. Und der erste und wichtigste Tipp wäre ja eigentlich: GEHT EINFACH NICHT HIN! Wir haben das mal geübt und Euch ein Video gemacht …

https://vm.tiktok.com/ZGeKLnmxS

… Naja macht man ja dann leider doch nicht.

Du gehst dann also doch irgendwann zum ersten Grundschulelternabend deiner Elternkarriere und dann bämm!

Zwei Stunden später bist du ein emotionales Wrack, hast dir die Klassenpflegschaft aufschwatzen lassen im Team mit der übereifrigen Helene-Fischer-Fan-Mutti im karierten Puffärmelblüschen, bist dem Förderverein beigetreten, in dem der golfende Schlipsträger-Papi (der auch der Opi hätte sein können) die Kasse veruntreut, hast dir auf winzigen Stühlen den Rücken ruiniert und musst so tun, als hättest du mega Bock auf das lustig-lockere Kennenlerngrillen und deinen Beitrag zum zuckerfreien Kuchenbüffet am Tag der offenen Tür.

Wir brauchen mehr Taschentücher.

Und das ist ja nur der Anfang.

Hier eine leider gar nicht frei erfundene Anekdote. Elternabend 2. Klasse von Luises Ältestem. Die Standartpunkte sind besprochen, und die Klassenlehrerin stellt die eine Frage, vor der immer alle Angst haben:

„Hat noch jemand ein Thema?“

Der Raum atmet gesammelt ein (das war vor Corona), hält die Luft an und für einen süßen Augenblick schwelgen wir in der traumhaften Utopie, dass wir heute alle früh nach Hause kommen. Dann schnellt eine Hand hoch. Es ist Karen (Name von der Redaktion geändert und bitte sprecht es in Eurem Kopf als Kärren aus), Mutter von Fridolin-Morgentau-Wilhelm (Name ebenfalls gerädert, allerdings nicht so sehr wie wünschenswert wäre).

„Ja also ich hätte da tatsächlich noch was sehr Wichtiges.“

Und dann legt sie los.

Fridolin-Morgentau-Wilhelm hatte einem anderen Kind kürzlich im Mathekurs seine mit liebevoll ausgestochenen Karottensternchen bestückte Brotdose so feste durchs Gesicht gezogen, dass besagte Karottensternchen quer durchs Klassenzimmer geflogen waren und das andere Kind eine angebrochene Nase vorzuweisen hatte. Dies hatte erstaunlicherweise Konsequenzen für Fridolin-Morgentau-Wilhelm, was für seine Mutter gänzlich unverständlich war. Immerhin kann doch Fridolin-Morgentau-Wilhelm nichts dafür, wenn die Brotdose so ungünstig „fliegt“ und außerdem war es die Lehrerin schuld, die in besagtem Moment einem anderen Kind eine Matheaufgabe erklärt hatte, anstatt auf Fridolin-Morgentau-Wilhelm und sein noch nicht voll entwickeltes Konfliktmanagement aufzupassen. Der arme Junge war ganz frustriert nach hause gekommen. Und das andere Kind hatte ihm auch tatsächlich vorher gesagt, er solle es nicht dauernd kneifen, man stelle sich diese Provokation vor.

Die Geschichte hatte natürlich bereits die Runde per Flurfunk gemacht, und so schwenken in diesem Moment alle Blicke zum Vater des Kindes mit der angebrochenen Nase, der mit verschränkten Armen auf seinem Platz sitzt, sehr konzentriert das Poster mit dem Tieralphabet an der Wand studiert und sich offenkundig mental mit schwer nachzuweisenden Tötungsarten beschäftigt.

Ich solchen Momenten fragen wir uns, ob es beim Lehramtsstudium eigentlich Kurse gibt, die einen auf so etwas vorbereiten. Elternkurse dafür gibt es jedenfalls nicht.

Die Klassenlehrerin flüchtet sich in einen gekünstelten Hustenanfall, und in den folgenden 23 Minuten ereignet sich ein Gespräch, welches nicht nur sämtliche Fremdschämrezeptoren im Hirn triggert sondern außerdem wertvolle Lebenszeit verschlingt, die keiner von uns zurück bekommt.

Elternabende sind der siebte Kreis der Hölle. Und auch wenn Luises Kinder die Grundschule nun hinter sich haben und es mit jedem neuen Schuljahr ein bisschen weniger überambitioniert zugeht, so hat sie tatsächlich nach wie vor und immer noch die Klassenpflegschaft am Hals, denn Luise ist ein hoffnungsloser Peoplepleaser und kann unfassbar schlecht nein sagen.

Lotta hat übrigens dasselbe Problem – wenn nicht sogar schlimmer, wir dürfen gespannt sein, was alles noch kommt, wenn Minilotti demnächst auch ein Schulkind wird.

Peoplepleasing ist eine schreckliche Angewohnheit und verbreiteter als man so glaubt. Die bezaubernde Lucy, die wir vor einiger Zeit auf TikTok entdeckt haben ( und seitdem wissen wir wir unsere Locken in den Griff kriegen, lieben wir!) kann da auch ein Lied von singen:

Vielleicht suchen wir uns alle zusammen mal einen Life-Coach, der „NEIN!“-Kurse anbietet. Bis dahin backen wir weiter, gehen zu Elternabenden und fügen uns in unser Schicksal.

Als lösungsorientierte Menschen empfehlen wir an dieser Stelle Rotwein im Coffee-To-Go-Becher und Verbrüderung mit Gleichgesinnten in der hintersten Sitzreihe der Klasse, dann wird das schon. Und auch wenn wir heute extrem TikTok-lastig sind, so hat eine von Luises absoluten Lieblingsmenschen diesen Lösungsansatz grandios in Szene gesetzt, das möchten wir Euch nicht vorenthalten und verabschieden uns heute hiermit:

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