Lotta & Luise trinken mal ein anderes Kölsch und reden nicht über – Kultige Filme, rosenlose Zeiten und etwas Traubigkeit
Wie kann denn schon Sonntag sein!?! Zeitgefühl ist so so weird.
Am Sonntag wachten wir etwas traubig auf (und etwas katerig), aber nur etwas, denn glücklicherweise waren wir klug genug die Rückreise auf Montag früh zu legen, so dass uns an diesem Tag noch kein Abschied bevorstand. Wir sind so klug. Manchmal.
Also Dusche, Kaffee, Frühstück, Letzteres diesmal ganz nah bei Josy im zauberhaften Agnesviertel mit begrünten Wänden und viel leckerem überbackenem Käseschweinkram zum Frühstückskaffee. Danach hatten wir einen ganzen sonnigen Sonntag vor der Nase mit wenig Plänen und vielen Ideen.
Eine Ideenumsetzung wurde uns leider verwehrt, eine Einzige am ganzen Wochenende, was ein ausgesprochen guter Schnitt ist muss man sagen, aber der fotolastige Besuch des Rosengartens auf dem Dach des Fort X musste leider ausfallen. Die Tore waren zu.
Also zogen wir rosenlos schlendernd unsere Bahnen durch den sonnigen Park und diskutierten lebhaft über schamanische Seelentiere (Ihr seht, der Deep Talk war noch nicht vorbei), bevor wir zu dem Entschluss kamen, dass es ein guter Zeitpunkt für das Café Chocolat wäre. Auf dem Weg dahin mussten wir noch eine ganz wichtige kleine Tradition umsetzen und unsere obligatorischen Kerzchen im Dom anzünden, sonst fühlt sich Köln einfach nicht richtig nach Köln an.

Bienchen auf Blümchen und Crowaffeln mit Lotus
https://cafe-chocolate-koeln.eatbu.com/?lang=de
Das zauberhafte winzige Café Chocolat ist gut versteckt mitten in der Kölner Innenstadt, wie wir bereits bei einer unserer letzten Köln-Auszeiten herausgefunden hatten. Was neu für uns war: Sie haben einen ebenso winzigen Innenhof, hübsch begrünt, in dem man Chai Latte und Co genießen kann, während es um einen herum ziemlich viel summt und brummt. Wenigstens sind die Bienchen fleißig, wenn wir es schon nicht sind.

Wir waren zumindest dahingehend fleißig, dass wir beim Austesten der unglaublich leckeren Crowaffel (besser noch als Croffin) mit Erdbeeren und Lotuscreme (nobel geht die Welt zugrunde!) mal einen prüfenden Blick auf unsere Bucket List werfen konnten. Und die konnte sich wirklich sehen lassen:
Full Gothic Clothing weekendenEin Outfit fürs Ego shoppenSpät ein Früh trinkenEine Kerze im Dom anzündenEin Bier probieren, dass wir noch nicht kennenMochis streichelnDen ersten Pumpkin Spice Latte des Jahres trinken trinken52 Fotos schießen, auf denen wir uns beide gefallenKomplett overdressen und so ein Konzert besuchenSchnubbi findenEine wirklich dumme Idee haben und umgehend in die Tat umsetzenJeden Tag mit einem gegenseitigen Geschenk beginnenWein & Pralinen im Bett
Nie zuvor haben wir so viele Ta-Da´s an einem Wochenende umgesetzt, uns so nahmen wir uns feste vor die letzten Fotos noch hinzukriegen und den Pumpkin Spice Latte (viel herbstlicher als Mochis) Montag früh als Abschiedsgetränk zu zelebrieren.
Aber der Tag war ja noch nicht vorbei, und um der eigenen Trägheit entgegenzuwirken (manchmal muss man sich selbst überlisten), buchten wir noch im Café sitzend einen Tisch bei Mangi Sushi und Kinokarten für Beetlejuice (juhu mehr Gelegenheit für überzogenes MakeUp).
Auf dem Weg zum Hotel fragten wir uns warum wir eigentlich immer bei Früh unser Kölsch trinken und entschieden uns sehr spontan im Sinne der Artenvielfalt kurz unser schamanisches Seelentier zu satteln und bei Gaffel einzukehren.

Ranz vs Schickeria
Grotesker kann ein Unterschied nicht sein.
Früh ist ja schon am frühen Morgen (haha) voll mit Kölnern bzw solchen, die gern Kölner wären, so verwinkelt und ranzig und klebrig es ist (wir sprachen darüber) mit seinen etwas ruppigen Kellnern und seinem ganz eigenen Charme. Das ist nicht einmal ironisch gemeint. Wenn man dort sitzt und frühshoppt, dann fühlt man Köln. Muss man mal gemacht haben.
Gaffel ist schicker, es gibt sowas wie ein Stylingkonzept, es gibt Dekorationen, es gibt nicht klebende Oberflächen und sogar gebundene Speisekarten. Die KellnerInnen sprechen hochdeutsch und sind höflich, ausgesprochen irritierend. Dort zu sitzen ist total schön, leider war die Domstube geschlossen (wir kommen wieder), aber hier ist man definitiv nicht richtig in Köln, sondern im Schickeria-Köln, da wo man nach dem Einkauf bei 4711 und der geführten Domtour hingeht.
Welches Kölsch nun besser schmeckt … naja hey es ist und bleibt Kölsch. Meidet unbedingt die alkoholfreie Plörre (so widerlich, für mit ohne gibt´s echt gute Fassbrause) und lebt damit, dass das zu Köln dazugehört.
Nach dem Schickeria-Kölsch ging es aber nun wirklich ins Hotel, mit frischen Pralinchen in der Tasche und neuen Aufbrezelplänen für den Abend.
Sushi geht immer, aber lieber mit Holz
Wir konnten auf gar keinen Fall guten Gewissens nach hause fahren, ohne wenigstens einmal Sushi essen gewesen zu sein. Auch hier enttäuschte uns das Agnesviertel nicht, denn das Mangi Sushi lag nur schlappe 5 min Fußweg von unserem schnuckeligen Hotel entfernt. Mega Sushi, so lecker, natürlich wie immer viel zu viel (man könnte weniger bestellen, aber wir haben das noch nie geschafft … werden wir auch nie) und wirklich wirklich eine geschmackliche 10 von 10. Und Ihr könnt Euch entscheiden, ob Ihr das Ganze als All You Can Eat oder als normale Variante haben wollt. Mjam Mjam.

Wenn wir etwas kritisieren wollten, dann wäre es das Fehlen von Holz.
Vielleicht müssen wir das erklären.
Das Mangi Sushi ist schick und dark (very dark) und clean und hat eine beeindruckend riesige Winkekatze im Eingangsbereich. Was es nicht hat, ist Gemütlichkeit. Es ist n bissl kalt.
Wir haben uns gefragt was es ist, und es ist das Fehlen von Holz. Holztische oder Holzböden oder unserethalben auch Holzvertäfelung … ohne Holz ist kalt. Kalt ist brrr. Kalt ist nicht wir.
Und so war das Essen zwar unglaublich gut, aber die Verweildauer etwas begrenzt, was insofern nicht schlimm war, dennnnnnn wir hatten ja noch weitere Pläne.
Beetlejuice Beetlejuice Beetlejuice
Wir können doch kein Lotta & Luise Wochenende abhalten, wenn ein Tim Burton Film im Kino läuft und dann nicht hingehen! Als Generation Beetlejuice fühlten wir uns geradezu genötigt diesen Film mit einem Rotwein in einem uralten winzigen Ranzkino anzuschauen – voll gothic gestylt versteht sich – und genau das taten wir auch. Im Metropolis (Hach, Agnesviertel, große Liebe!) gab es den OV Beetlejuice, es gab Rotwein, es gab Popcorn und es gab Ranz.
Kennt Ihr das, wenn das Licht bei der Werbung noch sachte leuchtet und dann wenn es endlich losgeht ins schwarz fadet? Wir auch. Das Metropolis nicht. Wir saßen mehr oder weniger gemütlich in unserem Doppelkinositzsofa (wo sonst?!) und dachten „No Selfie in diesem Licht, es ist die Neonröhrenhölle. Wie ein Klassenraum!“ Und wir planten ein kuscheliges Doppelselfie in dimmendem Licht – nur dass es das nicht gab. GRELL GRELL GRELL – BÄMM -DUNKELHEIT. Da mussten wir schon ein wenig lachen.
Beetlejuice Beetlejuice war grandios, insbesondere in OV, und wenn Ihr nicht allein des Titels wegen ins Kino rennt, dann können wir euch nicht retten.
Von daher hier weder Spoiler noch Empfehlungen. Aber wir lieben es. Und auch wir sind Bonnie und Clyde – ohne Einschusslöcher. Hach.
Die Hauptattraktion erwartete uns allerdings nach dem Film. Im Metropolis wird man nämlich nicht schnöde öde wieder zurück in den Eingangsbereich geleitet, sondern man landet durch die Ausgangstür gehend in einem langen Gang mit Spinnweben behangenen Neonlampen und dürftig verputzten Wänden in einer Art Zwischenwelt, von der wir absolut sicher waren, dass hinter der ersten Tür ein Sandwurm und hinter der letzten Tür das Jenseits auf uns wartete. Nach Beetlejuice war es die großartigste oder schreckliches Szenerie aller Zeiten – abhängig davon, wie Ihr zu Eurem Ableben steht.

Den Sandwurm fanden wir nicht, aber dafür den Ausgang ins Agnesviertel, und da es noch früh war und unser letzter Abend, versuchten wir nochmal unserer Glück bei Gaffel am Dom.
Wir sind traubig.
Der Abend war zu kurz, das Wochenende war zu kurz, die „Yeah’s“ im Leben sind fast alle viel zu kurz. Schon war der Montag da, und passend zur Stimmung war es der erste und einzige trübwolkige Tag, den wir vor Ort hatten.
Das letzte Frühstück zelebrierten wir da, wo wir Freitag auch starteten, nämlich in unserem geliebten Funkhaus.


Unser persönliches Highlight sind die Schokocrumble auf den Pancakes und die super süßen netten Kellnerinnen, wir lieben Euch!
Nun blieb noch das leidige Auschecken, eine letzte Runde durch die Stadt und der letzte Punkt der Bucket-List: Pünktlich zum Herbst der erste Pumpkin Spice Latte des Jahres – mit Koffern am Bahnhof (sehr sehr sehr traubig)

So können wir diesen Post natürlich nicht beenden.
Nach der Auszeit ist vor der Auszeit
Kurz bevor es auf den Bahnsteig ging (btw Luises absoluter Endgegner, dazu ein andermal mehr) hatten wir dann doch eine letzte Idee, als unser Blick auf einen Fotofixautomaten fiel …

Und nur kurze Zeit später saßen wir schniefend in getrennten Zügen in unterschiedliche Richtungen … und checkten unsere Kalender, dennnn selbstverständlich planen wir umgehend den nächsten Trip nach Köln im Frühling, und der April bietet sogar gar treffliches Konzertpotenzial.
Das war unsere großartige Kölner Auszeit, wir freuen uns wenn Ihr ein bisschen schmunzeln und ein paar schöne Tipps für Eure nächste Reise nach Köln abgreifen konntet. Küsschen und Gruß von Lotta & Luise
