Lotta & Luise trinken schon wieder Kölsch und reden nicht über – das glitzernde Leben und eigentümliche Musik
Der Samstag begann so wie er sollte, mit Sonne im milde verkaterten Gesicht und dem Domgebimmel im Ohr. Eine Dusche und einen „Haferkater“ Cappuccino später waren wir schon unterwegs bei absolut traumhaftem Wetter Richtung „Café Buur“ im belgischen Viertel, und damit wären wir bereits beim ersten und wichtigsten Tipp des Tages: Wenn Ihr mal in Köln wirklich so richtig wahnsinnig gut frühstücken wollt, dann macht das hier:
und zwar aus diesem Grund:

„Wenn grün nicht grün schmeckt, dann ist es perfekt.“ Das ist ein sehr kluges Zitat von Luises Jüngstem.
Das Café Buur ist zu recht immer sehr voll, aber glaubt uns, wenn wir Euch sagen: Jede gewartete Minute ist es wert!
Wäre Lotta nicht beinahe das Opfer einer perfiden Wespeninvasion geworden (offenkundig war Lottas O-Saft vielversprechender als Luises), wir hätten vermutlich sehr sehr lange dort in der Sonne gesessen und uns quer durch die Karte probiert, so aber waren wir relativ bald wieder auf dem Weg zum zweiten Tipp des Tages. Wir sind ja vielleicht möglicherweise ein ganz klitzekleines bisschen schmuckverrückt, also nur minimal. Fast gar nicht, nur in etwa so wie ein Nibbler, ein ganz kleiner.
Aber hey, das schieben wir jetzt einfach mal auf die genetische Veranlagung, außerdem hatte Lotta sämtliche Ohrringe zuhause vergessen und Luise musste dringend die Finger neu beringen – wir hatten keine Wahl. Und wenn es Euch genauso geht, dann geht unbedingt mal hier vorbei:
Und macht es nicht uns zum Vorwurf, wenn Ihr hier viel Geld loswerdet, warum sollte es Euch denn besser gehen als uns!
Gebäckmutanten for the win
Nach einer sonnigen Runde durch die Ehrenstraße, einer neuen Hose für Lotta („Ich-hätte-nie-gedacht-dass-mir-das-steht-Klamotten sind die besten Klamotten!) und geringelten Maulwurfsocken für Luise (aber natürlich waren wir im Maus-Shop!) gelüstete es uns nach einem Cruffin. Luise hatte Lotta schon ziemlich lange in den Ohren gelegen ob der unerhörten Tatsache, dass es sowas in Aachen nicht gibt, während diese bezaubernde Gebäckmutation in Berlin durchaus Normalität ist. Falls Ihr Euch nicht daran erinnert, wir sprachen hier mal darüber:
In Köln konnten wir zumindest einen Ort ausfindig machen, an dem wir einen Cruffin (sind Cruffin und Croffin eigentlich dasselbe?!?) finden würden, und dort gab es obendrein fantastischen Kaffee dazu. Empfehlung Nummer 3 wäre dementsprechend:
Denn dort bekommt Ihr sowas Feines:


Herzchentattoos und Nagellack nicht enthalten, dafür aber köstlich geschäumtes Koffein und krachendes Gebäck mit Cremefüllung. Lieben wir.
Falls Ihr Euch übrigens fragt, ob wir auch was anderes getan haben als zu essen … ähm …
… nicht viel, ehrlich gesagt, denn gar nicht soviel später waren wir bei Empfehlung Nummer 4:
Feuer & Flamme
https://www.instagram.com/feuerundflam.me/?hl=de
Flammkuchen und Schaukeln, wobei de Schaukeln definitiv für Menschen mit längeren Beinen konzipiert sind, die Flammkuchen dafür aber absolut perfekt waren.
Während wir voller Vorfreude dem Abend entgegensahen, hatten wir noch eine wichtige Mission von unserer Bucket List zu erfüllen: Schnnubbi finden. Nur wo? Nur wie? Und wer ist Schnubbi?
Find your inner Schnubbi? – Find your inner Blixa!
Hach Schnubbi. Schnubbi war seinerzeit ein ganz bezaubernder Mitarbeiter und Berater der MakeUp Abteilung eines Kölner Kaufhauses gewesen, der uns eine ganz zauberhafte non-judgy Lippenstiftberatung hatte zukommen lassen. Wir sahen ihn nie wieder, doch sein Erbe lebt weiter in jedem Fehlkauf in der Kosmetikabteilung. Wir hatten den festen Vorsatz ihn zu suchen, doch mussten einsehen, dass wir in Sachen Aufbrezeln und „Glam Goth Make Up Look“ gänzlich auf uns alleine gestellt waren.
Wir kauften also jede Menge Glitzer und – weil wir Werbeopfer sind – Beetlejuice themed Eyeliner ( von NYX, lieben wir. Geht einfach nie wieder ab. Günstigstes Tattoo ever) und nahmen uns feste vor unseren inneren Schnubbi zu finden und an diesem Abend absolut drüber und absolut fabulös auszusehen.
So brach der Samstag Abend herein, und es wurde allerhöchste Eisenbahn für uns ins Hotel zu eilen, um uns bei einem leckeren Wein ausgiebig aufzubrezeln für das Konzert der Einstürzenden Neubauten. Endlich eine Gelegenheit für schwarzen Lippenstift, endlich eine Gelegenheit für viel viel viel Glitzer und endlich so richtig jung fühlen, denn Sachlage ist, dass wir den Altersdurchschnitt im E-Werk durch unsere Anwesenheit nicht nur ein wenig senkten. Hihi.

Sachlage ist außerdem, dass es dort wirklich unfreundliche alte Frauen gab (nicht wir), aber darauf gehen wir gar nicht näher ein, ebenso wenig wie auf die Tatsache, dass wir auf dem Hinweg nur knapp dem Tod entgingen. Schlimmste Uber-fahrt ever, nächstes mal sind wir weniger zu spät dran und nehmen die verdammte Bahn.
Aber alles völlig egal, wir waren ja da für die Neubauten, und Luise hatte ja tatsächlich keine Ahnung, was das heißen würde, denn es war gänzlich anders als die Konzerte, auf die sie normalerweise geht, was Lotta schon ein klein wenig nervös gemacht hatte im Vorfeld ( „Ich hoffe du magst es, ich hoffe du magst es, ich hoffe du magst es“). Statt hüpfen und tanzen, gab es also lauschen und schauen und sich auf die Stimmung einzulassen. Und dafür haben wir tatsächlich gerade kein besseres Wort als „weird“.
Die beste Art von weird wohl gemerkt („hurra du magst es, hurra du magst es, hurra du magst es“), und Grüße gehen raus an den Einkaufswagen, der jetzt quer durch Europa reist.
Man könnte ja meinen in Zeiten, in denen jedes Smartphone alle Arten von Sound erstellen kann, wäre es keine große Sache, dass die Einstürzenden Neubauten aus buchstäblich allem Sounds erzeugen können, aber tatsächlich war es – zumindest für uns – der gegenteilige Effekt. Und wenn man sich umsah, dann konnte man eine große Gruppe Menschen sehen, die wirklich einfach nur da standen und eine unheimlich gute Zeit hatten. Genau wie wir.
Und falls wir vorher dachten, wir hätten viel Glitzer aufgelegt – oh wir hatten ja keine Ahnung was für blutige Anfänger wir sind (Und das wo Luise auf Konzerten nahezu immer glitzert). Leider konnte die schnöde öde Fotografie nicht bannen, was wir damit meinen, aber wenn ihr den großartigen Blixa Bargeld mal googelt, dann werdet Ihr schnell verstehen.
Ein solches Konzert sollte dringend auf Eure „Weird things to do in your life“ – Liste, wenn Ihr eine habt. Und wenn Ihr keine habt … was stimmt denn dann nicht mit Euch?!
Alte Leute müssen offenbar früh ins Bett, weswegen wir tatsächlich recht früh wieder zwischen heim eilenden Menschen vor dem E-Werk standen und Lotta doch tatsächlich die wahnwitzige Idee hatte, dass wir noch glitzernd auf „ein Kölsch“ ins Früh wandern könnten.
Deep Talk – no more lauwarm
Möglicherweise war es dann nicht nur ein Kölsch und möglicherweise sind wir sehr intensiv in tiefenphilosophischen Gesprächen versunken, bis der komische Kellner tatsächlich was von „letzter Runde“ faselte und uns zurück in der Wirklichkeit holte.
Auch sowas machen wir viel zu selten, also full gothic in einer Kölner Brauerei sitzen und mitten in der Nacht über Charakterkonzepte, alte und neue Lebensabschnitte und Selbstfindung zu diskutieren. Zu gerne hätten wir uns mal von außen betrachtet wie wir uns gegenseitig groß gestikulierend bahnbrechende Erkenntnisse verkünden, war bestimmt unterhaltsam. Also möchten wir euch unsere hochpathetischen Gedanken nicht vorenthalten.
Wenn wir mal versuchen all unsere tiefen Erkenntnisse auf eine Message runter zu brechen, dann wäre es Folgende (und wir bitten Euch in Eurem Kopf theatralische Musik laufen zu lassen wenn Ihr weiter lest):
Wir wollen kein lauwarmes Leben.
Es darf mal kalt und reudig sein, es sollte ab und an heiß und bunt sein, es darf mal richtig mies laufen und sollte viele „Yeah“-Momente haben.
Was Euer Leben nicht enthalten sollte sind „judgy“ Menschen (meidet das J ), die Euch und Euer „Yeah“ klein halten und Euch weismachen wollen, dass ein „ganz ok“ völlig ausreichend wäre.
„Ganz ok “ ist der Inbegriff von „lauwarm“. Lauwarm ist wie labbriger Toast, koffeinfreier Kaffee und alkoholfreies Kölsch. Lauwarm. Wir hassen alles daran.
Fazit des Abends war also: Leb dein Leben nicht lauwarm und kauf Schokolade.
(Was die Schokolade damit zu tun hat? Na alles!)
Und während wir mitten in der Nacht über den Domplatz zum Hotel flatterten, war weit und breit kein „lauwarm“ zu spüren, dafür aber ganz viel „yeah“ und ein wenig Traubigkeit (beste Wortschöpfung ever, Copyright bei Minilotti) darüber, dass uns tatsächlich schon der letzte Tag bevorstand.