
Lotta und Luise trinken glitzernde Regenbogenbrause mit abgespreizten Fingern und reden nicht über – Ernsthaftigkeit
Warum denn so ernst? Und nein, wir bringen hier keine Batman & Joker-Referenz, obwohl man diese in jeder Lebenslage bringen kann und sollte, wir heben uns das lieber auf für einen Post über unsere desaströsen Erfahrungen mit rotem Lippenstift.
Wird super.
Warum denn so ernst.
Es geht heute eher um die optische Ernsthaftigkeit und Seriosität, die man von *hust*undvierzigjährigen im Alltag erwartet. Kürzlich sprachen wir über Klamotten, Alter, Stil und Selbstwahrnehmung im Allgemeinen und im Besonderen. Angefangen hatte das so …

Wir reden an anderer Stelle über unsere fragwürdigen Feststellungen rund um die Capsule Wardrobe, aber auf keinen Fall sprechen wir über Ernsthaftigkeit und seriöses Auftreten.
Wir weigern uns.
Die aufgezwungene Seriosität des durchschnittlichen Erwachsenendaseins ist eine nennenswerte Beschneidung unserer individuellen Ausdrucksweise, und wir hassen alles daran. Ernsthaftigkeit ist das Äquivalent zu Dinkel-Vollkorn-Spritzgebäck ohne Zucker.
Manchmal ist sowas leider notwendig.
(nicht das Dinkel-Vollkorn-Spritzgebäck ohne Zucker … das ist nie notwendig und einfach nur unfassbar traurig.)
https://www.einfachbacken.de/rezepte/spritzgebaeck-das-beste-grundrezept-von-oma
„Einfach Backen“ hat die besten Rezepte für fast alles, wir lieben das.
Wir schweifen ab.
Seriös sein tut manchmal Not, und sogar wir sind einen Großteil der Zeit gesellschaftskompatible Erwachsene. Wir geben das ungern zu.
Wir bewegen auf der offiziellen Skala der Gesellschaftskompatibilität irgendwo oberhalb von „barfuß durch die Fußgängerzone“ (und vermissen das) und unterhalb von „ich gebe immer pünktlich meine Steuererklärung ab“ (da können INFPS und ENFPS aber nichts für).
Als wir zarte Mitte 20 waren, haben wir uns mal gemeinsam für Nasenpiercings entschieden und sogar dabei mit der Alltagstauglichkeit gehadert (hahahahahahahaha).
Seitdem ist viel passiert und hier kommt die Brücke zu der Sache mit der Bürotauglichkeit von Tattoos (und wir lieben alles daran).
Vermutlich ist es eine Mischung aus dem Wandel von Gesellschaftsnormen, die ja auch dafür sorgen, dass es inzwischen mehr Tattoostudios gibt als Mietwohnungen, sowie der simplen Tatsache dass das Älterwerden einen in vielen Dingen irgendwie entspannter macht.
Jedenfalls hat das Luiserl mittlerweile endgültig das Level „Tattoos muss man ja im Zweifelsfall verstecken können“ verlassen und den Weg „Fuck it and look awesome“ eingeschlagen. Zwar erlaubt ihre tiefe für den Rest der Welt nicht nachvollziehbare Liebe zu Rollkragen immernoch ein Verstecken, quasi ein „be awesome inkognito“, aber das ist ja eher eine Schlechtwetteroption (in Aachen allerdings durchaus daily Business).
Wieviel AWESOME ist also alltagstauglich, verfolgen wir doch mal diese Frage.
Ich (hallo, Luise hier) hab vor langer Zeit mal meinen früheren Chef gefragt ob sichtbare Tattoos und Piercings problematisch seien. Die Antwort war ein knappes „Nö, ich denke du wärst sogar im Einhornkostüm kompetenter als die meisten anderen“.
Das war bzw ist bis heute eines der schönsten Komplimente meines Lebens, und ich schäme mich zuzugeben, dass ich das mit dem Einhornkostüm noch immer nicht in die Realität umgesetzt habe. Schame on me, but hey it´s never too late. Danach hab ich für mich beschlossen, dass ich das nie wieder jemanden fragen muss.
Klar gibt es Jobs, die das persönliche AWESOME in gewisse Schranken weisen.
Übrigens ist es keine freiwillige Entscheidung AWESOME komplett im Capslock zu schreiben, das ist der hier Schuld, kennt Ihr den? Himmel das ist auch schon wieder soooo alt und wir pieseln uns trotzdem immernoch ein (vor Lachen, nicht des Alters wegen)
Sorry Ihr Lieben, das Pseudo ADHS kickt heute wieder hart. Seid Ihr noch bei uns?
Also AWESOME sein ist nicht immer leicht und manchmal nur begrenzt machbar, aber ein glitzernder Schimmer der Hoffnung für die jungen Hüpfer ist doch: Im Alter darf man AWESOME sein und so alternativ wie man will, und das „Im Alter“ siedeln wir jetzt mal pauschal bei roundabout ab 40 ein.
Isso.
Und es ist gleichermaßen schön, verwirrend und erschreckend, dass man vor einigen Jahren für viel weniger Alternativheit in Bus oder Bahn wirklich schräg gemustert wurde und heute sogar ein freundliche grüßendes Lächeln von alten Damen mit Steppweste bekommt (Steppwesten sind auch so ein ganz eigenes Drama, dazu ein andermal).
Uns beschleicht die Befürchtung, dass die alten Damen uns inzwischen als eine der ihren sehen und deswegen im Sinne der Zugehörigkeit zum eigenen Rudel auf einmal freundlich und zutraulich werden … lasst uns diesen Gedanken ganz schnell ganz weit weg schieben.
Ähm … hier fehlt eine elegante Überleitung, die müsst Ihr Euch an dieser Stelle selber denken.
Und ganz spontan sind wir wieder bei Bürooutfits und Luischens neuem Tattoo (und zwar von der absolut bezaubernden Yuna gemacht, die findet Ihr hier: https://www.inkarma-tattoostudio.de). Nach der würdelosen Zeitspanne zwischen „Aaaaah aua frisches Tattoo“ und „Nicht drangehen … niiiiiicht drangehen“ neulich also first Appearance in der Öffentlichkeit mit einem interessanten Nebeneffekt, den man an sich gar nicht mal so gerne zugibt, auf den wir aber eingehen müssen im Sinne der Seriösität:
Ist es das Tattoo, ist es das Alter, man weiß es nicht, aber je mehr beides wird, desto eher bleiben die Ripped Jeans in der Konzertecke des Kleiderschrankes und ziehen schnieke Klamöttchen in den Alltag ein, die wir vor einigen Jahren nicht mal für eine Hochzeit in Erwägung gezogen hätten.
Geht das noch wem so? Und sind wir bereit für die unvorhersehbaren Konsequenzen einer potenziellen Spießergarderobe? (Bis auf Anzughosen … keine Anzughosen … nicht in diesem Leben und nicht im Nächsten … wir haben Grenzen)


„Ich bin bereit für den Blazer, aber nicht für das Image“ bringt das Dilemma ziemlich auf den Punkt. Und selbstverständlich wird sich in Lottchens nächstem Adventskalender eine Eule aus Strass befinden, vielleicht auch das ein oder andere „Hello …“, denn hier ist niemand zu alt für irgendwas.
Gibt es wirklich Kleidungsstücke, für die wir zu alt werden? Das ist eine verneinenswerte Frage. Aber es gibt vielleicht Kleidungsstücke aus denen wir herausgewachsen sind – metaphorisch und leider auch tatsächlich – und die wir liebevoll „für alle Fälle“ in einer kleinen dunklen Ecke ganz hinten im Kleiderschrank bewahren.
Luises uralter und herrlich abgeranzter Katzenkopfnietengürtel in Teenagerhinterngröße ist seit Jahren Dark-Side-King of the Wardrobe, nachdem er in ihren späten Zwanzigern final in Rente ging.

Bei Lotta hält sich ein tragischerweise neuwertiges grünes Kleid mit bezauberndem Katzenmuster auf dem Thron des Pharaonengrabes in der hintersten Schrankecke, von wo aus es ein ehrwürdiges und strenges Regiment führt.

Der geneigte Leser erkennt … Katzen werden hier nochmal Thema. Dazu später mehr.
Vielleicht muss man den Veränderungen in der Garderobe Raum geben, und vielleicht erlauben wir uns ab jetzt Blazer und Blüschen und kombinieren sie mit Meshröcken oder kaputten Jeans und Handtaschen aus dem Elbenwald und erfinden einen völlig neuen Stil, nämlich den „Witchy Old Schrammel Goth Germanistik Punk Style with a hint of Helena“ uuuuuuuuund haben hiermit eine mega geile Überleitung zum nächsten Post und eine neue Kategorie:
Alternde Alternative.
Bämm!
Küsschen, danke fürs Dabeisein, bleibt AWESOME und kauft Euch mal wieder was Schönes, das Ihr dann aber auch wirklich anzieht, vorzugsweise hier: https://www.elbenwald.de/ 🙂